[Rezension] Mareike Krügel – Sieh mich an

Sieh mich an, ist ein Buch, was ich mir nur aufgrund des Covers gekauft habe. Bei einem Fuchs konnte ich nicht Nein sagen und ich wollte wieder ein Buch lesen, wo von ich nichts weiß. Ich kannte das Buch nicht, wollte den Klappentext nicht lesen und mich einfach nur überraschen lassen. Diese Überraschung ist geglückt, denn das Buch ist interessant und spricht ein sensibles und heikles Thema an.

Klappentext: 

Man kann ja nicht einfach sterben, wenn die Dinge noch ungeklärt sind. Das denkt Katharina, seit sie vor Kurzem das Etwas in ihrer Brust entdeckt hat. Niemand weiß davon, und das ist auch gut so. Denn an diesem Wochenende soll ein letztes Mal alles wie immer sein. Und so entrollt sich das Chaos eines ganz normalen Freitags vor ihr. Während sie aber einen abgetrennten Daumen versorgt, ihren brennenden Trockner löscht und sich auf den emotional nicht unbedenklichen Besuch eines Studienfreundes vorbereitet, beginnt ihr Vorsatz zu bröckeln, und sie stellt sich große Fragen: Ist alles so geworden, wie sie wollte? Ihre Musik, ihre Kinder, die Ehe mit dem in letzter Zeit viel zu abwesenden Costas? Als der Tag fast zu Ende ist, beschließt sie, endlich ihr Geheimnis mit jemandem zu teilen, den sie liebt. – Die Heldin in Mareike Krügels rasantem, klugem Roman gehört ganz sicher zu den einnehmendsten Frauengestalten in der deutschen Gegenwartsliteratur.“

Eigene Meinung:
Das Buch hat es geschafft, einen Tag in 256 Seiten zu verpacken ohne das es langweilig wurde. Wir begleiten Katharina durch ihren Alltag. Wir lernen ihren ruhigen Sohn Alex und ihre laute und anstrengende Tochter Helli kennen. Ihr Mann arbeitet auswärts und so muss sie Klischeehaft sich um alles alleine kümmern. Doch dieses Klischee machte mir nichts aus, ihr Alltag war witzig und bis auf ein paar Kleinigkeiten realistisch dargestellt. Kennt ihr diese Tage, wo alles schief läuft und man ein paar Sachen nach den anderen erfährt, und man innerlich „Stop ich brauch eine Pause“ schreit? So fühlt sich ihr Freitag an!  Bei ein paar Punkten hatte ich das Gefühl „So müsste sich meine Mutter auch gefühlt haben“, wir waren auch für sie keine leichten Kinder und haben es ihr oft auch nicht leicht gemacht.

Oft erleben wir von Katharina die Gedanken Gänge, was wäre, wenn. Was wäre, wenn sie wirklich Todkrank ist? Wie wird es weiter gehen, hat sie alles gemacht und erreicht, was sie wollte? Wir lernen Katharina durch diese Gedanken als Person besser kennen. Wir erfahren was sie im Leben erreichen wollte und was sie tatsächlich geschafft hat. Diese Gedankengänge sind wirklich interessant, doch leider driften sie auch ab. Sie bleiben nicht immer bei „Ich bin eventuell krank“, sondern die gehen schon ein Schritt weiter und sagen „Ich bin todkrank“.  

Katharinas Leben ist nicht einfach und ziemlich stressig. Helli beansprucht viel von ihrer Zeit, dazu hat sie noch Musikprojekte zuleiten, macht ihren Haushalt, hat ihre Nachbarn die sie auch Beanspruchen und um das alles unter einem Dach zubekommen, führt sie ein Notizbuch. Nur hier kann sie ihre Gedanken frei im Lauf lassen und sich ihren Alltag organisieren. Wir erfahren einige Dinge aus ihrer Vergangenheit und dadurch verstehen wir ihr Entscheidungen besser kennen. In ein paar Punkten hätte ich wohl anders reagiert oder anders gehandelt, doch ich konnte mich so gut in sie hineinversetzten, das ich ihre Entscheidungen verstehe.

Viele Szenarien sind lustig verpackt und lassen einen kurz Auf schmunzeln. Trotz der vielen kleinen Witze und typischen Klischees, die zum Teil Humorvoll verpackt sind, brachten mich ein paar Punkte zum Augenverdrehen.

Im Laufe des Tages erfährt Katharina von Alex Freundin und ist schockiert. Sie dachte Jahre lang, dass ihr Sohn schwul sei. Dieser Punkt hatte mich tierisch gestört. Alex, ein 17-jähriger Junge, der in der Vergangenheit offenbar noch keine Interesse an Frauen zeigte, muss direkt schwul sein. Meine Güte, einige haben einfach noch keine Interesse an Beziehungen gehabt, nicht die richtige Person gefunden, sind  A-Sexuelle und es gibt noch Tausende weitere Gründe, warum man zuvor noch keine Beziehung hatte oder jemanden Vorgestellt hat. Nicht jeder ist sofort Homo-Sexuelle, nur weil  sie zuvor noch keine Interesse gezeigt haben. Dieses Klischeedenken regt mich persönlich sehr auf, da ich sowas selbst miterleben durfte. Ja, es kann sein das die Person eventuell Homo-Sexuelle ist, aber es kann auch andere Gründe geben. In diesem Buch wurden viele Klischees angesprochen, also wundert mich auch dieses hier nicht.

Kennt ihr auch dieses Thema „Sind es deine eigenen Kinder, dann denkst du anders!“. Auch das Thema wurde hier aufgegriffen und ich glaube, beim Lesen hat meine Augenbraue gezuckt, zumindest habe ich innerlich die Augen verdreht. Du willst keine Kinder? Ach über deine eigenen Kinder denkst du anders, glaub mir. Wie oft habe ich diese Gespräche miterlebt und nun durfte ich das auch noch lesen. Wenn jemand persönlich mit mir darüber redet, bin ich die Person, die das Thema abbricht, doch hier wollte ich weiter lesen. Katharina hatte den Gedanken gehabt, jemanden zu erklären, das es mit eigenen Kindern nicht so stressig ist, wie mit Fremden Kindern. Sie war so von sich überzeugt, dass eigene Kinder nicht anstrengend wären, oder zumindest nicht so sehr wie Fremde Kinder. Hier im Buch hat man allerdings nicht das Gefühl, das sie es mit ihren Kindern so leicht hat, wie sie es gerne hätte. Da musste ich wirklich über ihren Gedankengang schmunzeln. So leicht und einfach sind eigene Kinder dann wohl doch nicht.

Ein Punkt was mich auch zum Schmunzeln gebracht hat,  war das Thema „Männer haben es schwerer als Frauen“. Kilian, ein Freund von Katharina erklärt ihr, das es Männer schwerer haben als Frauen. Die Punkte, die er anspricht waren, Mimimimi-Themen. Wenn ich eine Frau Schwängere und von diesem Kind nichts wissen will, muss ich Unterhalt zahlen. Das geht gar nicht! Mimimimi, das Leben ist so Unfair mimimi. Leider hat sich Katharina sich ihren Teil hier nur gedacht. Sie hatte viele  Punkte in ihren Gedankengang gehabt, was im Leben einer Frau so schwer ist und was Männer gar nicht im Blick haben. Ich hätte mir gewünscht, dass sie diese Punkte angesprochen hätte, doch sie nickte Kilian nur stimmend zu. Schade, dieses Thema wäre spannend gewesen und bin gespannt, wie Kilian darauf reagiert hätte.

In diesem Buch gibt es aber nicht nur Themen, wo ich die Augen verdrehen musste und mich fragte „Warum taucht dieses Klischee auf?“, sondern es tauchte etwas auf, was mich wirklich stört.

Heinz. Heinz ist in diesem Buch ein Trans-Mann. Und wie wir alle wissen, ist ein Mann ein Mann, egal ob Trans oder Cis. Er bleibt ein Mann. Hier wird von der Umwandlung zu einem Mann gesprochen, was wiederum falsch ist! Transgender sind Personen die sich unzureichend, bis hin zu gar nicht mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren können. Sie durchleben keine Umwandlung. Katharina spricht ihn zwar auch mit Heinz an, in ihren Gedanken taucht dann aber oft das sie und sein Deadname auf. Auch ihr Freund Kilian spricht mit Heinz und fragt ihn, ob er nicht eigentlich eine Frau sei. Für mich auch ein Absolutes No Go. Ich weiß nicht, ob es beabsichtigt war das dieser Fehler passieren, doch für mich ist und bleibt es ein No Go.

Fazit:

Trotz Themen die mich dazu gezwungen haben die Augen zu verdrehen, wurde dieses Ernste Thema humorvoll und interessant in einem stressigen Alltag verpackt. Ich wusste nicht was mich erwartet und bin zufrieden mit diesem Buch. Es geht nicht tief in die Materie ein und kratz an der Oberfläche der eventuellen Krankheit an, was in Ordnung ist.

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